B-12

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Titel Mehr Respekt für Einsatzkräfte – Umfassende Sensibilisierung in allen Bildungsinstitutionen etablieren

AntragstellerInnen UB Steinfurt

Veranstaltung(en) I/2019

Empfehlung der Antragskommission

Der Landesparteitag möge beschließen:

Mehr Respekt für Einsatzkräfte – Umfassende Sensibilisierung in allen Bildungsinstitutionen etablieren

Es muss eine umfassende Sensibilisierung bezüglich der alltäglichen Aufgaben von Einsatzkräften in allen Bildungsinstitutionen innerhalb des Landes Nordrhein-Westfalen etabliert werden. Primär soll im Rahmen dieser Sensibilisierung auf die existentielle Bedeutung von Einsatzkräften für Individuum und Gesellschaft hingewiesen werden. Ebenfalls thematisiert werden sollen Problematiken, welchen die Einsatzkräfte regelmäßig gegenüberstehen. Diese Aufklärung soll auch als Präventivmaßnahme dienen, um verbale oder physische Attacken auf Einsatzkräfte zu minimieren und dadurch ihre persönliche Sicherheit deutlich zu stärken.

Begründung

Einsatzkräfte werden immer häufiger Opfer von verbaler oder physischer Gewalt. So stieg die Zahl der gemeldeten körperlichen Übergriffe auf Rettungskräfte  laut Polizeilicher Kriminalstatistik von 1.146 Fällen im Jahre 2011 auf 2.058 gemeldete körperliche Übergriffe im Jahre 2016. Die Dunkelziffer wird dabei als deutlich höher eingeschätzt. Einer Studie  des Kriminologen Thomas Feltes zufolge gaben 64 Prozent der Antwortenden an, innerhalb der letzten zwölf Monate mindestens einmal Opfer von Gewalt geworden zu sein. Sechzig Prozent der Rettungskräfte hätten dabei verbale Attacken erlebt und knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) gab an, Opfer von nonverbaler Gewalt geworden zu sein. Dreizehn Prozent der Helfer erlitten körperliche Gewalt. Gemeldet werden die meisten Fälle der Studie zufolge jedoch nicht. So gaben 80 Prozent der Einsatzkräfte an, den letzten verbalen oder nonverbalen Übergriffe nicht zur Anzeige gebracht zu haben. Sogar bei körperlicher Gewalt seien lediglich 70 Prozent aller Fälle auch gemeldet worden. Feltes konstatiert in seiner Studie eine „Tendenz zur Verrohung“, einen „allgemeinen Respektverlust“ sowie einen „Verlust an Empathie“. Genau an diesem Punkt soll die Sensibilisierung innerhalb von Bildungsinstitutionen ansetzen, da Feltes zufolge insbesondere jüngere Bürger*innen zur Gewalt neigen würden. Der im Rahmen dieses Antrags geforderte Sensibilisierungsprozess soll der durch Feltes attestierten Tendenz entgegenwirken, indem er Schüler*innen / Studierenden / Auszubildenden mit der Problematik konfrontiert und über die existentielle Bedeutung von Einsatzkräften aufklärt.

 

Darüber hinaus ist es sinnvoll, Informations- und Diskussionsveranstaltungen mit Referenten zu initiieren. Derartige Veranstaltungen bieten den Schüler*innen / Studierenden / Auszubildenden die Möglichkeit, direkt mit den Einsatzkräften über die Problematik zu sprechen. Dies würde das Verständnis bei Teilnehmer*in noch einmal erhöhen und idealerweise in einem solidarischeren und respektvolleren Umgang mit Feuerwehrleuten, Sanitäter*innen, Polizist*innen und anderen Einsatzkräften resultieren. Um dies zu gewährleisten ist es sinnvoll, die gesellschaftliche Relevanz von Einsatzkräften sowie die individuelle Belastung dieser zu fokussieren.

 

Wir erachten eine solche Aufklärung als effizientesten Weg, um eine Reduktion der Übergriffe auf Einsatzkräfte zu erreichen, da eine Verschärfung von Gesetzen  die Täter nach Ansicht des Kriminologen Thomas Feltes häufig nicht abschrecke. Mithilfe von Einblicken in den Alltag von Einsatzkräften soll dagegen ein grundlegendes Verständnis der Schüler*innen / Studierenden / Auszubildenden für die Aufgabenfelder, Kompetenzbereiche sowie die persönliche Verantwortung und die daraus resultierende psychische Belastung der Einsatzkräfte ermöglicht und die expliziten Folgen von potentiellen Übergriffen und Attacken aufgezeigt werden.

 

Von essentieller Relevanz ist die Integration aktiver Komponenten in das Veranstaltungskonzept, um das Interesse der Teilnehmer*innen an den vermittelten Inhalten zu steigern. Die entsprechenden Veranstaltungen sollten dabei im Rahmen der Regelschulzeit beziehungsweise Regelstudienzeit stattfinden und eine einmalige Teilnahme für alle Schüler*innen / Studierenden / Auszubildenden obligatorisch sein. Eine mögliche Verknüpfung mit der Thematik des sogenannten „Gaffens“, welches ebenfalls eine große Herausforderung für Einsatzkräfte darstellt, wären denkbar.

 

Nach der Etablierung der Sensibilisierung in allen Bildungsinstitutionen des Landes Nordrhein-Westfalens sollen in regelmäßigen zeitlichen Abständen die Auswirkungen sowie die Resonanz der oben erläuterten Sensibilisierung evaluiert werden, damit das Veranstaltungskonzept gegebenenfalls zielorientiert korrigiert und angepasst werden kann.

Empfehlung der Antragskommission