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Der gesellschaftliche Wandel zeigt sich auch in einer zunehmenden religiös-weltanschaulichen Vielfalt. Deshalb soll die Bildungskommission ein Curriculum für ein Pflichtfach „Ethik/Religionskunde“ für alle Schülerinnen und Schüler entwickeln, um ihre interkulturellen Kompetenzen zu stärken, eine gemeinsame Wertebasis zu vermitteln und damit den sozialen Frieden und den demokratischen Zusammenhalt zu sichern.

Begründung:

 

Die Lebenswirklichkeit in NRW ist zunehmend durch eine religiös- weltanschauliche Pluralität und Vielfalt geprägt. Im Schuljahr 2020/2021 waren 28,4 Prozent der Grundschüler*innen in NRW evangelisch, 30,8 Prozent katholisch, 20,2 Prozent islamisch und 21,5 Prozent konfessionslos. Eine Schattenseite dieser Entwicklung sind Spaltungstendenzen durch Lagerbildungen und identitäre Blasen, auch im Bereich der Schulen.

Die Einführung eines gemeinsamen wertebildenden interkulturellen Fachs „Ethik / Religionskunde“ für alle Schülerinnen und Schüler wäre deshalb nicht nur für die Schule sinnstiftend. Hier würde miteinander, nicht übereinander geredet und im Dialog eine gemeinsame demokratische Wertebasis entwickelt. Religiöse und philosophische Traditionen sowie religionskritische Perspektiven würden – auf Grundlage der Menschenrechte – gleichrangig als Quellen für Moral, Orientierung und Zusammenhalt thematisiert.

In anderen Bundesländern und Nachbarstaaten gibt es bereits einen solchen integrativen Unterricht, z.B. „Ethik“ in Berlin und Luxemburg, „Lebensgestaltung/ Ethik/ Religionskunde“ in Brandenburg oder Religionskunde in Schweden und Norwegen.

Ein gangbarer Weg zur Einführung in NRW wäre der inhaltliche und schulorganisatorische Ausbau des derzeitigen Ersatzfaches PP (praktische Philosophie) zum Pflichtfach für alle. Da eine Ausweitung der Stundentafel eher unrealistisch wäre, könnte dieses neue Fach epochal mit dem verfassungs-geschützten konfessionsgebundenen Religionsunterricht abwechseln.

Denkbar erscheint auch die Zusammenführung der konfessionellen Religionsfächer mit der praktischen Philosophie. Was in der Coronapandemie notgedrungen möglich war und „inoffiziell“ bereits an innovativen Schulen praktiziert wird, ließe sich über freiwillige Kooperationen der rechtstragenden Religionsgesellschaften oder durch die Umwandlung von einzelnen Schulen in „bekenntnisfreie“ nach Art. 7 GG auch ohne Verfassungsänderungen umsetzen.

Empfehlung der Antragskommission:
Ablehnung